Die Kunst der Stunde
Ausstellung im Kunsthaus Weiz, 2022
Zur Keramik ist die in der Steiermark aufgewachsene Künstlerin Barbara Jenner vor ca. 5 Jahren gekommen. Auf der Suche nach einem Medium, das sowohl ihre Experimentierfreude befriedigt, Freiraum für diverse Gestaltung zulässt und auch funktionale Möglichkeiten bietet, kehrte sie zu dem Werkstoff zurück, mit dem sie, wie viele andere, das erste Mal im Kindesalter in Berührung kam. Gewappnet mit wertvollen Tipps aus der mütterlichen Werkstatt fing an, was bald zu einer Unternehmensgründung (OBAstudios) und zuletzt zum Launch ihrer eigenen Marke „Atelier von Ehren“ führte.
Mit wachsam-neugierigem Blick stellt sich die Künstlerin und Designerin den Herausforderungen des Alltagslebens und spürt auf, an welcher Stelle noch Verbesserungen möglich sind. Die Ausstellung im Kunsthaus Weiz zeigt eine Auswahl von Objekten, deren Ergebnisse auf Impulse solcher Überlegungen zurückgehen.
Idee und zugleich Beginn einer Serie großer Blumentöpfe war die Suche nach einem passenden Gefäß für den bereits recht großen Gummibaum und die damit verbundene Frage: Wenn man eine besondere Zimmerpflanze hat, die in durchdacht eingerichteten Wohnräumen steht, wäre da nicht auch ein individuell gestalteter Blumentopf schöner?
Die Ausstellung zeigt einige solcher Pflanzentöpfe: Einfache markante Formen bilden die Oberfläche für feine Linien, mal horizontal, mal vertikal, gemalt oder eingeritzt auf malerischen matt-farbigen Flächen. So eigenwillig wie die Pflanzen, so individuell sind auch ihre Gefäße.
Inspiration für die Serie LUFT & LILIE waren Raumdiffuser, deren olfaktorisch getränkter Dampf aus unterschiedlich gestalteten Gefäßen heraustritt. In schwarzen Objekten steht die dunkle erdige Schwere des Tons der schwebenden Leichtigkeit des Dampfes gegenüber. Manche können als Diffuser und Vase, manche nur als Vase verwendet werden. Die Gefäße erinnern an archaische Urformen.
Eine Serie kontrastreicher Arbeiten aus schwarzem und weißem Steinzeug verbindet grafische Elemente mit der dreidimensionalen Form. Die aufgeraute Oberfläche ist der Technik geschuldet und bildet eine besondere, fast porös anmutende Haptik.
Zwei Mondvasen, von koreanischer Tradition inspiriert, die bis ins 14. Jhdt. zurückreicht und aufgrund der Form und milchigen Farbe des Porzellans an den Mond erinnert, ergänzen die Auswahl. Oft aus zwei Stücken zusammengesetzt, bilden sich leichte Unregelmäßigkeiten. Nur durch ihre Form verweisen die zwei Mondvasen der Ausstellung auf die ursprüngliche koreanische Tradition. Sie nehmen einzelne formale Strukturen auf, die sich durch die Arbeiten der Ausstellung ziehen.
Alle Arbeiten sind mit der Hand aufgebaut, mit Hilfe verschiedener Techniken, wie der Wulst-, Platten und Drücktechnik und anschließend entweder mit Ritzwerkzeugen bearbeitet oder mit Engoben - einer Farbe, die aus Tonschlicker und Oxyden oder Farbkörpern angerührt wird - in mehreren Schichten bemalt. Alle Arbeiten sind innen glasiert und bei 1220 Grad (Segerkegel 6) gebrannt. Sie sind fast ausschließlich 2022 in Berlin entstanden.